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SUMMARY:Vortrag Prof. Dr. Wolfgang Haubrichs: Was ist „deutsch“?
DESCRIPTION:Was haben italienisch tedesco\, rumantsch tudesg\, nordfranzösisch thiéois\, lothringisch tiche\, luxemburgisch dietsch und englisch dutch gemeinsam? \nSie stammen alle von einem wohl zu Zeiten Karls des Großen von Gelehrten aus einheimischen Sprachmaterial gebastelten\, ja erfundenen Wort ab\, das in lateinischer Form theudiscus\, theodiscus hieß. Es klingt so ähnlich wie unser heutiges Wort deutsch\, bezeichnete aber zunächst ein Phänomen von viel größerer Reichweite\, nämlich alle Sprachen im riesigen karolingischen Imperium\, das von Barcelona bis Wien und Magdeburg und von Hamburg bis Rom und Marseille reichte\, die nicht lateinischer (oder auch slawischer) Abkunft waren\, und dazu noch einige Sprachen\, die außerhalb dieses Raumes lebten\, wie das in viele Dialekte zersplitterte alte Englisch auf den britischen Inseln und das Altnordische\, die Sprache der Wikinger und Normannen in Skandinavien\, oder auch Sprachen wie das ausgestorbene Gotische\, das schon im 4. Jahrhundert über eine volkssprachige Bibelübersetzung\, die Bibel des gotischen Bischofs Wulfila verfügte\, oder wie das auf dem Boden Norditaliens 250 Jahre blühende\, mit dem Bairischen und Alemannischen verwandte Langobardische\, bevor es am Ende des 8. Jahrhunderts ausstarb bzw. mit vielen Lehnwörtern im Italienischen und seinen Dialekten aufging. Zu dieser semantischen Reichweite war das Wort *theodisk\, dütsch\, duutsch aber auch gut geeignet\, denn es bedeutete anfangs nichts Anderes als ‚zum Volk gehörig‘\, ‚Sprache des Volkes‘ – eben nicht Latein. \nErst im Laufe des hohen Mittelalters verengte sich die Bedeutung des Wortes allmählich auf die Sprachen des engeren ‚deutschen‘ Raumes\, des Lebensraumes der Baiern\, Alemannen oder Schwaben\, der Thüringer\, Sachsen\, Franken\, die allmählich zusammenwuchsen\, aber erst in der Neuzeit – man könnte sagen\, ab den Tagen Martin Luthers – eine gemeinsame Dachsprache fanden\, wobei der Begriff ‚Deutsch‘ aber begrifflich noch lange weit reichte und das Niederländisch/Flämische ebenso einschloss wie das Niederdeutsche und das Friesische. Deutsch ist ein komplexer\, nur über sein historisches Werden begreifbarer Begriff. \nAltersstufe: Erwachsene \nPreis: kostenfrei\, eine Spende wird erbeten
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